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Gemeinsam erleben

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Gruppenausflüge, kreatives Arbeiten und Sport

Unter dem Motto »Gemeinsam (er-)leben« finden jährlich viele unterschiedliche Aktionen, Ausflüge und kreative Veranstaltungen statt.

Ziel dieser Aktivitäten ist, das »Wir-Gefühl« von Mitarbeitern und Bewohnern zu stärken. Natürlich geht es auch viel darum, etwas außerhalb der gewohnten Umgebung zu erleben. Ob ein Tagesausflug in den Saarbrücker Zoo, zum Verein der Hundefreunde in Saarlouis oder bis hin zu mehrtägigen Ferienmaßnahmen – die Selbständigkeit unserer Menschen mit Behinderungen wird gefördert und ihre Lebensqualität verbessert.


Bericht über die Ferienmaßnahme sächsisches Vogtland in Plauen vom 14.09. – 20.09.2014

Nach 2012 und auf vielfachen Wunsch der Bewohner, nun zum zweiten Mal unterwegs auf Entdeckungstour durch das sächsische Vogtland. Unter Leitung von Michael Zemann-Wahle und Felix Schuster, verbrachten sieben Bewohner der Wohnanlage Rexrothhöhe sieben erlebnisreiche Tage, die für alle Beteiligte zu einem unvergesslichen Erlebnis wurden.

Sonntag, 14.09.2014 (1. Tag/Anreise)
Pünktlich um 10:00 Uhr erfolgte die Abreise nach Sachsen. Fast schon zur Tradition geworden, machten wir auf halber Strecke einen längeren Zwischenstopp im malerischen Kirchberg an der Jagst. Dort wurde uns die Gelegenheit geboten, im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“, den Rittersaal des Kirchberger Schlosses, mit seiner prächtigen Deckenbemalung, zu besichtigen. Nach einer einstündigen und überhaupt nicht langweiligen Beschreibung der einzelnen Tafelbilder, einem Spaziergang durch die Gassen von Kirchberg und einem ausgiebigen Kaffeeschnack, ging es nach 3 Stunden wieder auf die Piste. Stressfrei erreichten wir gegen 19:00 Uhr Plauen, wo wir herzlich von der Leiterin des Natur- und Umweltzentrum „Pfaffengut“ empfangen wurden. Schnell waren die Zimmer bezogen und die Schinkennudel gekocht. Am Abend kam es zu einem ersten Treffen mit Jutta Liebetrau und einem abschließenden Dämmerschoppen in der Plauener Altstadt.

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Rittersaal im Kirchberger Schloss

Montag, 15.09.2014 (2.Tag)
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem anschließenden Lebensmittelgroßeinkauf in Plauen, brachen wir zur besten Mittagszeit, direkt ab unserer Unterkunft, zur ersten Tages-wanderung auf. Die über 15 km lange Rundwanderung, führte uns bergauf und bergab,

durch die vogtländische Schweiz. Entlang des Kaltenbaches führte uns der Weg durch das idyllische Nymphental, zur Schlucht der weißen Elster. Begleitet vom Rauschen des Flusses, ging es erst einmal flussabwärts, bis wir nach einer zweistündigen Gehzeit, den Aufstieg zur Elstertalbrücke erreichten. Über einen abenteuerlichen Felsentreppensteig, gelangten wir zur weltweit zweitgrößten Ziegelsteinbrücke, die die Schlucht der weißen Elster über-spannte. Von dort war es nicht mehr weit bis zum Weiler Röttis, wo wir von Familie Kucora

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Im Nymphental

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zu Gast bei Familie Kucora

zu Kaffee und Kuchen erwartet wurden. In herzlicher Atmosphäre verging die Zeit wie im Fluge, so dass um 17:00 Uhr zum Aufbruch geblasen werden musste. Durch das Krauskopftal ging es erneut hinab zur weißen Elster. Immer flussaufwärts führte der Wanderweg schnur-

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Teufelsfelsen

stracks und vorbei am Teufelsfelsen, schnellen Schrittes zum „Lochbauer“. Nach einer kurzen Einkehr, erreichten wir bei einsetzender Dämmerung wohlbehalten und leicht ermattet unsere Unterkunft. Den Tag ließen wir bei leckeren marokkanischen Bratlingen mit Reis und Soße, ausklingen.

Dienstag, 16.09.2012 (3.Tag)
Nach dem gemeinschaftlichen Frühstück brachen wir recht zeitig zu einer Ausfahrt ins deutsch-tschechische Grenzgebiet auf. Erstes Ziel war das Dorf Morgenröthe-Rautenkranz. Dieses entlegene Dorf, steht nicht nur im Ruf klimatisch der kälteste Ort im wieder-vereinigten Deutschland zu sein. Er ist auch der Geburts- und Lebensort von Sigmund Jähn, dem ersten Deutsche, der sich im Jahre 1978 für 9 Tage, in der Tiefe des Weltalls aufhielt.

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vor Sigmunds MIG

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im deutschen Raumfahrtmuseum

Ihm und allen Astronauten bzw. Kosmonauten, ist das äußerst sehenswerte deutsche Raumfahrtmuseum gewidmet. Nach zwei spannenden und kurzweiligen Stunden setzten wir die Fahrt am frühen Nachmittag weiter fort, nicht ohne zuvor die leckeren Roster, die auf dem Parkplatz des Museums angeboten wurden, probiert zu haben. Nächstes Ziel war die, auf tschechischen Staatsgebiet gelegene, Bergstadt Horni Blatna (ehemals Plattenberg). Dort unternahmen wir einen zweistündigen Spaziergang zur Wolfspinge, einem riesigen mittelalterlichen Tagebau auf Silber und Zinn, der sich in fast 1000 m Höhe vor uns erstreckte und in dem man, nach schneereichen Wintern, auch im Sommer noch Schneereste und Eis finden kann. Leider nur nicht dieses Jahr. Weiter führte uns der Weg durch die wilde, heute menschenleere Hochmoorlandschaft des tschechischen Vogtlandes

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Wolfspinge bei Horni Blatna

zum Weiler Jeleni (ehemals Hirschenstand), der wie viele andere Dörfer und Städte in der Grenzregion nach dem 2. Weltkrieg das Schicksal der Vertreibung und Auslöschung erfuhr.

In den letzten Jahren wurden die spärliche Reste der Dorfkirche, die 1946 abgerissen wurde, freigelegt und zu einer kleinen Mahn- und Gedenkstätte umgewandelt. Tief bewegt von

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Jeleni

diesem Ort, seiner Geschichte und unter dem Eindruck der Stille, Schön- und Rauhheit dieser Landschaft, wurde spontan noch ein kleiner Spaziergang zur ehemaligen Zinnaufbereit- ungsanlage, unweit von Jeleni, unternommen. Wie ein Fremdkörper liegt diese riesige Anlage versunken und überwuchert in der Landschaft, die sich als Kulisse für Horrorfilme bestens eignen würde. In den frühen Abendstunden kehrten wir wohlbehalten zurück. In Begleitung von Jutta Liebetrau, fand der Abend in ausgelassener Stimmung, in der „Pfaffenmühle“ ein spätes Ende.

Mittwoch, 17.09.2014 (4. Tag)
Gemütlich begann der Morgen mit einem ausgiebigen Frühstück und einem Über-raschungsbesuch von Jutta L. Am späten Vormittag brachen wir in den vogtländischen Musikwinkel, nach Markneukirchen, auf. Erster Höhepunkt dieser Ausfahrt war der Besuch des Musikinstrumentenmuseum und sein neu angelegter Weltmusikgarten. Beeindruckend

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die Vielzahl der ausgestellten Musikinstrumente aus aller Welt, oder die weltweit größte und bespielbare Geige, Tuba und Fanfare. Auf größtes Interesse stieß bei allen der Weltmusik-garten, der sich auf dem Museumsgelände befand. Alle dort befindliche Instrumente, Klangkörper etc. konnten bespielt und ausprobiert werden; ein Heidenspaß. Nach zwei kurzweiligen Stunden konnte der emotionale, wie auch aus körperlicher Sicht gesehene Höhepunkt des Tages angesteuert werden. Die Besteigung des Vysoky Kamen (Hoher Stein), einem, in fast 800 m Höhe gelegenen, Quarzitfelsens auf tschechischen Staatsgebiet, unweit

von Erlbach. Auch wenn der Weg, zu diesem markanten Aussichtsfelsen, keine große Anforderung an die Teilnehmer stellte, mal davon abgesehen dass der Hinweg nur bergauf führte, wurde die Besteigung des Felsens zu einem Kraftakt. 40 Höhenmeter, in schwierigen Gelände, mussten überwunden werden. Mut, Überwindung und Trittsicherheit waren von

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alle druff auf dem Vysoky Kamen

Nöten, aber mit der Unterstützung aller kamen alle oben, sicher und ohne Blessuren, an. Geboten wurde eine grandiose Aussicht ins Cheber (Eger)-Becken und über das gesamte Vogtland und dem berechtigten Stolz diese Herausforderung gemeistert zu haben. Als Lohn für all die Mühe, winkte, nach dieser fast vierstündigen Wanderung, der Besuch des Thermalbades in Bad Elster, am frühen Abend. Zurück in unserer Unterkunft, zu später Stunde, ließen wir den Tag, bei Spaghetti Bolognese, leicht ermattet aber stolz wie Spanier ausklingen.

Donnerstag, 18.09.2014 (5. Tag)
Wegen eines verursachten kleinen Auffahrunfalls am frühen Morgen mit unserem Gefährt, verzögerte sich die Tagesfahrt ins weltberühmte Karlovy Vary (Karlsbad) ein kleinwenig. Gegen 11:00 Uhr brachen wir schlussendlich auf. Kaum in der Kurstadt angekommen, genossen wir warme Oblaten und deckten uns mit den typischen Karlsbader Trinkbechern ein, die noch eine wichtige Rolle an diesem Tag spielen sollten. So ausgestattet ging es in den historischen Stadtkern, der sich an beiden Ufern des Flusses Tepla erstreckt. Eingerahmt von wunderschönen und mondänen Gebäuden, flanierten wir so mit unseren Porzellan-trinkbechern durch das Kurgebiet und „genossen“ das bis zu 72 Grad heiß Heilwasser, aus den 15 Mineralheilquelle die auf unserem Weg lagen. Bestaunten das Treiben der Schönen und Reichen, die feilgebotenen, überwiegend kitschigen und für uns nicht erschwinglichen Waren und statteten dem Sprudel einem Besuch ab. Hierbei handelt es sich um eine über 70 Grad heiße Wasserfontäne, die kontinuierlich mehrere Meter nach oben schießt. Zum Abschluss unserer Trinkkur in Karlovy Vary, übernahmen wir eine Fahrt mit einer Seilbahn zum Aussichtsturm Diana auf der Freundschaftshöhe, dem Hausberg von Karlovy Vary.

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der Genuss des Heilwassers zeigt erste Wirkungen

Dem Trubel der Kurpromenade entronnen, genossen wir die herbstliche Stimmung bei Kava Videnska und den Blick über Karlovy Vary. Zu guter Schluss führte uns der Rückweg nach Plauen, in das Dorf Skalna mit seiner mittelalterlichen Burg Wildenstein, die wir mit Einbruch der Nacht erreichten. Bei Kerzenschein, im mittelalterlichen Ambiente des urigen Restaurants genossen wir die leckere böhmischer Küche.

Freitag, 19.09.2014 (6. Tag)
Ganz gemütlich gingen wir den neuen Tag an. Nachdem Frühstück wurde für uns, auf dem Gelände des Pfaffengutes, die Gelegenheit geboten, unter fachkundiger Leitung eine Wildkatze in ihrem Auswilderungsgehege zu beobachten. Wie schon vor zwei Jahren unternahmen wir anschließend einen Bummel durch die Plauener Innenstadt, wo sich alle mit Souvenirs für die Lieben zu Hause eindecken konnten. Herzliche Begegnungen in den Weberhäusern, wo uns die Leiterin durch die aktuelle Ausstellung führte und mit dem Plauener Original, dem Trödel- und Antiquitätenhändler Herrn Schmalfuß, der uns in seinem Laden mit Sonderrabatten und Geschenken beglückte. Am Nachmittag waren wir zu einem Garagenkaffeekränzchen nach Jößnitz, bei Familie Arnold, eingeladen und zu guter Schluss

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Weberhäuser in Plauen

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Kaffeekränzchen bei Familie Arnold

schauten wir bei der Göltzschtalbrücke in Mylau vorbei. Einer ganz besonderen Brücke, nämlich der weltgrößten Brücke die je aus Ziegelsteinen errichtet wurde und zwar aus insgesamt 26 Millionen Stück. Ein 575 m langes und 78 m hohes Koloss, beeindruckend schön. Krönender Abschluss des Tages und dieser Ferienmaßnahme, war das Abschlussessen in der Traditionsgaststätte „Lochbauer“, die fußläufig von unserem Feriendomizil lag. Bei leckeren vogtländischen Sauerbraten und Wildspezialitäten ließen wir den Tag ausklingen.

Samstag, 20.09.2014 (7. Tag)
„Großer Bahnhof“ bei unserer Abreise, durch die Anwesenheit von Jutta L. und der Leiterin des Pfaffengutes. Herzliche Umarmungen und so manche kleine Träne beim Abschied und

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Freundschaft

das Versprechen 2017 wieder ins Vogtland zurück zu kehren. Die Rückfahrt verlief ohne größere Staus, mal abgesehen davon dass wir wegen der gesperrten Rheinbrücke bei Speyer, einen größeren Umweg in Kauf nehmen mussten. Auf halber Strecke wurde eine längere Pause, heuer im hübschen Langenburg, eingelegt.

Resümee:
Das Vogtland ist wirklich eine Reise wert. Nach 2012 nun zum zweiten Mal. Glanzpunkt dieser Ferienmaßnahme waren die herzlichen und offenen Begegnungen mit vielen Menschen aus der Region. Der Kontakt gerade zu Jutta Liebetrau wurde weiter vertieft, die zu einer guten Seele und Freundin von uns allen wurde. Dazu wieder spannende, abwechs-lungsreiche Entdeckungen diesseits und jenseits der Grenze, die erneut auf großes Interesse aller Teilnehmer stieß. Dazu ein bombastisches Wetter, in einer zum Teil atemberaubend schönen Landschaft. Tolle Wanderungen, die von manchen einiges an Mut, Ausdauer und Überwindung abforderte. Durch die soziale Interaktion innerhalb der Gruppe, wurden alle Schwierigkeiten, die das Gelände so stellte, mit Bravur gemeistert. Ein Glückgewinn war auch die Begleitung von Felix Schuster, der uns auch in Zukunft erhalten bleiben wird, durch seine Gesamtpersönlichkeit und großem Engagement. Auf eine Neuauflage 2017 im Vogtland.

Michael Zemann-Wahle, November 2014